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Die 10(01) Schritte in die Selbständigkeit



Selbständigkeit. Dies ist nicht nur eine Kategorie der Kranken -und Rentenversicherungsformulare, sondern beschreibt eine Lebenseinstellung. Doch der Schritt in die berufliche Selbständigkeit ist mit einigen Hürden und Risiken versehen. Dies gilt für den Berufsanfänger genauso wie für den erfahrenen Branchenkenner, der „es noch einmal wissen will“. Der Selbständige steht im Gegensatz zu einem Angestellten vor der Herausforderung die gesamte Infrastruktur seines „Betriebes“, ein Netzwerk aus Kunden und Lieferanten aufzubauen und eigenständig den gesetzlichen Anforderungen an seine Berufsausübung gerecht zu werden. Oft bleibt – zumindest in der Anfangsphase – nur wenig Zeit für die eigentliche fachliche Leistung, z.B. als Programmierer oder Grafiker, derentwillen man sich oft auf eigene Füße wagen will. Jedoch belohnt die erfolgreiche selbständige Tätigkeit mit sehr vielen Gestaltungsmöglichkeiten im beruflichen aber auch im privaten Bereich, den wohl die meisten Selbständigen nicht mehr missen wollen.

Der folgende Leitfaden soll einen ersten Überblick über die einzelnen Entwicklungsschritte auf dem Weg in die berufliche Selbständigkeit verschaffen.

1. Der Entschluss
Die Entscheidung eine selbständige Tätigkeit anzustreben kann viele Motive haben. Einige wenige Glückliche treibt die Idee der Selbständigkeit schon ihr ganzes Leben um; sie warten nur auf den richtigen Augenblick. Doch bei den meisten ist dieser Gedanke erst durch ihre Erfahrungen als Angestellte oder als anders abhängig Beschäftigte gereift. Eines gilt jedoch für alle: es muss eine Überzeugung vorhanden sein, dass die Selbständigkeit das Richtige ist. Sonst geht es nicht.

2. Der Selbstcheck
Vor dem eigentlichen Start sollte man sich einer sorgfältigen Selbstprüfung unterziehen. Was kann ich? Habe ich genügend Branchenkenntnisse? Ist für mein Angebot ein Bedarf vorhanden? Kann ich durchhalten? Dies gilt finanziell genauso wie charakterlich. Wie können Familie oder Lebenspartner in die neue Lebenssituation mit eingebunden werden? Tragen diese die Entscheidung mit? Bin ich gesundheitlich fit?

Dies sind nur ein paar Beispiele von Fragen denen man sich selber stellen sollte. Möglichst sind dabei auch die Familie und Freunde mit einzubeziehen, indem man sie um ihre ehrliche Meinung bittet. Ist dieser Selbstcheck bestanden, so kann es mit den ersten organisatorischen Maßnahmen weitergehen.

3. Der Plan
Zwar lehrt die Erfahrung, dass nur selten etwas genau nach Plan geht. Jedoch haben gut geplante Unternehmungen trotzdem eine weit höhere Erfolgschance als spontaner Aktionismus. Während der Planung nimmt man die zu meisternden Herausforderungen gedanklich vorweg und wappnet sich geistig für alle „erdenklichen“ Probleme. Zu erledigende Aufgaben sollten aufgelistet werden. Eventuell sollte sogar ein Business Plan erstellt werden. In diesem macht man detaillierte Angaben zum Gründer, Produkt und Markt und plant die Entwicklung für einen Zeitraum bis zu fünf Jahren im Voraus.

4. Partner
1+1= 3 !? Diese Rechnung soll nicht zeigen, dass Juristen schlecht rechnen können, sondern, dass die Gründung mit Partner oder sogar in einem größeren Team eine sehr interessante Alternative zum Einzelkämpferdasein bedeutet. Aber es muss nicht gleich eine Partnerschaft sein. Kooperationen aller Art, ob Bürogemeinschaft oder Einkaufsgruppen, sollten von Anfang an mit in die Planung einbezogen werden. Zwar setzen Kooperationen auch einen erhöhten Organisationsaufwand voraus. Dem steht aber auch eine wesentlich höhere Überlebens -und Erfolgschance als bei Einzelunternehmen gegenüber.

5. Professionelle Berater
Die verschiedenen Berater spielen bei der Existenzgründung eine wichtige Rolle. Abgesehen von den Fachinformationen beispielsweise in Steuer-, Rechts- und Finanzierungsfragen, bieten die Berater dem Existenzgründer erstmals die Möglichkeit einem objektiven Dritten von seinen Ideen zu überzeugen und ein ungeschöntes Feedback zu bekommen. Durch ihre Erfahrung können die Berater helfen, etwaige Schwachstellen in der Planung aufzudecken und Lösungen zu finden.

Ein Existenzgründer kann sich an folgende Berater wenden:
· Industrie – und Handelskammern (Existenzgründerberatung meist kostenlos)
· Handwerkskammern
· Arbeitsämter und Berufsverbände
· Technologie- und Gründerzentren
· Rechtsanwälte, Steuerberater, Unternehmensberater
· Kreditinstitute etc.

6. Finanzen
Das A und O einer soliden Existenzgründung sind geordnete Finanzen. Damit ist nicht gemeint, dass keine Kredite aufgenommen werden sollten o. ä. Jedoch sollte der Existenzgründer zu jeder Zeit einen genauen Überblick über seine Ausgaben und (zu erwartenden) Einnahmen haben. Hierzu sind zumindest Grundkenntnisse der Buchführung erforderlich. Kaufleute deren Betrieb eine bestimmte Größe hat, sind sogar gesetzlich verpflichtet Bücher zu führen. Eine geordnete Buchführung hat aber vor allem viele Vorteile. Steuerabschreibungen können besser nachgewiesen, finanzielle Fehlentwicklungen können frühzeitig erkannt werden und Fremdkapitalgeber sind meist nur bei „geordneten Büchern“ gewillt, dem Gründer finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen.

7. Fördermöglichkeiten
Für Existenzgründer gibt es eine Reihe von Fördermöglichkeiten vom Bund und den Ländern. So zahlt das Arbeitsamt beispielsweise ein Überbrückungsgeld, wenn der Existenzgründer vorher Arbeitslosengeld, Arbeitslosenhilfe oder Kurzarbeitergeld mindestens vier Wochen vor der Gründung erhalten hat (genauere Informationen zu den weiteren Voraussetzungen erteilt ihnen das Arbeitsamt). Die Deutsche Ausgleichsbank bietet das sog. DtA Startgeld für Gründer an. Dies sind gesicherte Darlehen bis maximal 50.000 €. Auskunft hierüber und über weitere finanzielle Fördermöglichkeiten kann ihnen ihre Hausbank erteilen.

8. Pflichten
Als Selbständiger ist man für alles selbst verantwortlich. Hier gibt es zahlreiche Punkte, an die zu denken ist:
· Eigene Krankenversicherung: privat oder gesetzlich?
· Altersvorsorge: Sparpläne, Altersvorsorgefonds, Rentenversicherung etc.
· Berufsunfähigkeits-, Haftpflicht- und Unfallversicherungen
· Ggf. Gewerbeanmeldung beim örtl. Gewerbeaufsichtsamt
· Anmeldung beim Finanzamt wegen Umsatzsteuerpflicht
· Ggf. Zulassung zu Berufverbänden oder Kammern beantragen
· U.a.m.

9. Vorsichtshalber…..
Leider gibt es im Umfeld der Existenz – und Unternehmensgründung auch immer wieder einige schwarze Schafe unter den Beratern und Dienstleistern. Finanzmakler bitten z.B. um eine „Finanzierungsgebühr“ bevor sie die beantragten Gelder besorgen und machen sich damit davon. Ähnliches ist bei Franchise-Vertretern vorgekommen, die mit den ersten Franchisegebühren durchbrennen, ohne dem Gründer einen wirklichen Franchise-Vertrag verschafft zu haben. Darum ist es wichtig – und das gilt für alle Arten von Beratern – die jeweiligen Informationen zu hinterfragen. Ein guter Berater wird ihre Fragen gern beantworten.

10. Zu guter letzt…
…braucht auch ein noch so umsichtiger Existenzgründer immer auch eine gute Portion Glück.

Nicholas Ziegert, LL.M.

Rechtsanwalt

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